Den Betonmischer wieder anwerfen

von Frank Höhmann

Auch das Hinspiel des vierten Derbys bestreiten die Göppinger Bundesligahandballerinnen zunächst auswärts: Am Samstag um 18 Uhr muss das Team von Trainer Aleksandar Knezevic in der Ballei-Sporthalle bei der Neckarsulmer Sport-Union antreten und will dort den sechsten Sieg in Serie einfahren.

Mannschaft der Stunde gastiert bei Mannschaft mit Wunde: So könnte der Nachbarschaftskampf zwischen den beiden Kontrahenten auch umschrieben werden. Auf der einen Seite die zweimal sieglosen und von Ausfällen geschwächten Gastgeberinnen. Auf der anderen Seite die so grandios auftrumpfenden Frisch-Auf-Frauen, die mit fünf Siegen in Serie sich auf Rang fünf vorarbeiteten. Diesen Schwung wollen die Göppingerinnen in die Partie in Neckarsulm mitnehmen. Alexandra Sviridenko war einerseits froh über die jüngste Verschnaufpause, um etwas regenerieren zu können, andererseits hofft sie, „dass wir dadurch nicht aus unserem Rhythmus geworfen werden“. Die vergangenen Partien liefen fantastisch für die Göppingerinnen: Das alte Jahr endete mit Siegen gegen Dortmund, in Leverkusen und gegen Metzingen. Das neue begann mit einem klaren Heimerfolg gegen Oldenburg (30:22). Im November war zudem noch der HC Rödertal demontiert worden.

Am Samstag nun will die Göppinger Abwehr in Neckarsulm Beton anrühren und die Gegenspielerinnen nicht zu einfachen Würfen kommen lassen und früh festsetzen. „Das wird keine leichte Aufgabe. Derbys haben ihre eigenen Gesetze und sind immer heiß umkämpft. Die Chancen stehen 50:50“, richtet sich Trainer Aleksandar Knezevic auf einen harten Kampf ein. Verzichten muss der Coach der Frisch-Auf-Frauen wohl weiter auf die angeschlagene Lina Krhlikar. So kommt es am Kreis wieder alleine auf Petra Adamkova an, die diese Aufgabe bislang aber glänzend erfüllt und gegen Oldenburg beste Schützin ihrer Mannschaft war.

Die Partie ist vor allem für die Fans eine besondere: Beim Team des ehemaligen Göppinger Coaches Emir Hadzimuhamedovic spielen gleich fünf frühere Frisch-Auf-Spielerinnen: Hannah Breitinger, Seline Ineichen, Maike Daniels und eigentlich Melanie Herrmann und Alena Vojtiskova. Eigentlich, weil Torhüterin Herrmann immer noch mit den Folgen einer Gehirnerschütterung zu kämpfen hat und zuletzt nicht spielen konnte. Shooterin Vojtiskova wird den Ball in dieser Saison gar nicht mehr in die Hand nehmen: Sie ist schwanger und nur noch als Zuschauerin anwesend. Zudem fehlt seit mehreren Wochen Sina Namat (Meniskus). Deshalb hat die NSU reagiert und in der ehemaligen dänischen Nationalspielerin Mette Gravholt nachgerüstet.

Anja Brugger hat bis auf Hannah Breitinger mit allen Ex-Göppingerinnen zusammengespielt und kennt deren Stärken und Schwächen. Das Ziel der Rechtsaußenspielerin ist klar definiert: „Wir wollen unsere Serie ausbauen. Die jüngsten Spiele von uns waren echt gut und das versuchen wir weiter mitzunehmen und auf dem Feld so viel Spaß zu haben wie zuletzt“, sagt die 25-Jährige, warnt aber zugleich davor, Neckarsulm zu unterschätzen: „In der vergangenen Saison sind wir dort beim 24:32 voll auf die Nase gefallen. Das soll uns nicht noch einmal passieren. Wir müssen wieder unsere starke Abwehr aufs Feld bringen und im Angriff konzentriert zu Werke gehen.“ Die Pokalpause kam auch Brugger nicht wirklich gelegen, „weil wir gerade wirklich gut drauf waren. Aber ich bin guter Dinge, dass wir unsere Form mitnehmen können.“

Gegner Neckarsulm steht mit sechs Punkten im unteren Mittelfeld der Tabelle, drei Punkte vor dem auf dem ersten Abstiegsrang liegenden TV Nellingen. Siege gelangen gegen eben jene Nellinger und die beiden Aufsteiger Bensheim und Rödertal. „Ihre Pflichtaufgaben haben sie souverän erledigt“, weiß Brugger. Zu mehr hat es bislang nicht gereicht. Zuletzt verlor die NSU in Leverkusen und gegen Dortmund. Die Frisch-Auf-Frauen konnten gegen diese beide Kontrahenten gewinnen, lassen sich davon aber nicht blenden. Die herbe Pleite aus dem Vorjahr ist Warnung genug.

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