Die Pokalträume leben weiter

von Frank Höhmann

Hrbkova und Breidert. Immer wieder Hrbkova und Breidert. Insgesamt 23mal durfte der Nürtinger Hallensprecher beim Pokalduell zwischen der TG Nürtingen und FRISCH AUF Göppingen die beiden Namen durchgeben. FRISCH AUFs Linkshänderin Michaela Hrbkova bewies dabei auch mit nur noch einer Kontaktlinse ihre Treffsicherheit. „Ich habe eine meiner Linsen in der 40. Minute nach einem Foul verloren. Ich wollte sie suchen und zum Schiedsrichter, aber das Spiel ging so schnell weiter“, sagte die Linkshänderin, die mit 14/3-Treffern beste Schützin ihrer Mannschaft war und großen Anteil am 33:28 (16:16)-Arbeitssieg des Bundesligisten in der zweiten DHB-Pokalrunde beim Zweitligisten TG Nürtingen hatte. Nicht zuletzt aufgrund ihrer sieben blitzsauberen Tore aus dem Spiel heraus in den letzten 20 Minuten einer umkämpften Begegnung mit zwölf Zeitstrafen und der Disqualifikation von Alexandra Sviridenko in der 31. Minute.

Die Michaela Hrbkova der TG Nürtingen ist Verena Breidert und agiert ebenfalls im rechten Rückraum. Die frühere Göppingerin, seit 2011 in Diensten der TG, erzielte 9/2-Treffer und zeigte eine vorzügliche Leistung. Und das mit 38 Jahren. Anfänglich enttäuscht, weil gegen den Favoriten mehr möglich gewesen wäre, war Breidert später stolz auf die Leistung: „Wir haben sehr gut mitgehalten und FRISCH AUF lange geärgert. Am Ende ist uns die Puste ausgegangen und Göppingen war einfach cleverer. Knackpunkt der Partie war wohl unsere 6:4-Überzahl, in der wir zwei Tore kassieren und selber keines werfen.“ Darüber waren sich auch die beiden Trainer, Nürtingens Stefan Eidt, und Göppingens Aleksandar Knezevic, einig. „Es war ein tolles Spiel von uns und wir waren sicher keine fünf Tore schlechter. Wir können erhobenen Hauptes die Halle verlassen“, sagte Eidt. „Wir wussten, dass es hier schwer wird. Nürtingen hat uns alles abverlangt und war vergangene Saison nicht ohne Grund Vierter“, sagte Knezevic, der erleichtert über den ersten Sieg war, der Auftrieb für die Bundesliga geben soll. Im Pokal hoffe der Underdog immer auf eine Überraschung. „Heute bin ich froh, dass sie nicht geglückt ist.“

Vor 500 Zuschauern in der Theodor-Eisenlohr-Sporthalle kamen die grün-weißen Ladies gut aus den Startlöchern und zogen schnell 4:1 weg. Dann unterlief den Göppingern jedoch ein Wechselfehler und Nürtingen glich bis zur 8. Minute aus. Es entwickelte sich eine muntere Begegnung, in der es hin und her ging und der klassenhöhere Gast auf hartnäckigen Widerstand traf. Eidt schickte neben Breidert von Beginn an Ana Petrinja auf die Platte. Der letztjährigen Göppingerin gelang ein Tor. Lea Schuhknecht, die vergangene Saison noch den Nürtinger Dress trug, kam in der 23. Minute erstmals zum Einsatz und hatte bei zwei Aluminium-Würfen Pech. Die TGN lag in Hälfte eins lediglich beim 9:8 (15.) vorne. FRISCH AUF wiederum konnte sich in der Folge nicht auf mehr als zwei Tore absetzen. Nürtingen blieb stets auf Tuchfühlung und glich kurz vor der Pause in Überzahl zum 16:16 aus.

Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag: Alexandra Sviridenko sah glatt Rot, und da auch Schuhknecht noch den Rest ihrer Zeitstrafe abzusitzen hatte, hieß es kurze Zeit sechs gegen vier. Aber schon in dieser Situation agierten die Nürtingerinnen „zu hektisch“, wie Breidert anmerkte. Als die FRISCH AUF Frauen eine Viertelstunde vor dem Ende bei einer 25:23-Führung erneut zwei Zeitstrafen hinnehmen mussten, legte Hrbkova, nachdem Breidert bei Zeitspiel übers Tor geworfen und Edit Lengyel gegen Delia Cleve pariert hatte, zwei Treffer zum 27:23 nach. Der Zweitligist hatte keine Kraft mehr zu kontern und musste die Grün-Weißen über 26:30 auf 28:33 davonziehen lassen.

Am Ende waren dann aber doch alle irgendwie zufrieden: die Nürtingerinnen über ihre gute Leistung, die Göppingerinnen über das Erreichen der dritten Pokalrunde. Und FRISCH AUF-Torhüterin Kristy Zimmerman über einen guten Start in ihren gestrigen 23. Geburtstag.

So spielten sie:

TG Nürtingen: Hesel (1), Meißner; Kunicke (2), Fischer (1), Wieder (3), Cleve (1), Breidert (9/2), Lederer (1), Quattlender (1), Bauer (2), Rolland (4/1), Petrinja (1), Leibssle-Balogh (2)
FRISCH AUF Göppingen: Zimmerman, Lengyel; Struijs (6/1), Hrbkova (14/3), Adamkova (3), Sviridenko (1), Schuhknecht, Guberinic (3), Kinlend (5), Weigelt (1), Schindler, Bergschneider  
Schiedsrichter: Hörath/Hofmann
Zeitstrafen: 6:18-Minuten
Rot: Sviridenko (31.)
Zuschauer: 500.

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