Goliath ohne Schwachstelle

von Holger Riegel

Mit den Gästen stellt sich wohl der deutsche Meister der aktuellen Saison in der „Hölle Süd“ vor, denn der Titel scheint der SG BBM mehr als sicher. Hinzu kommt, dass die Truppe von Trainer Martin Albertsen auch im Pokalwettbewerb als Ausrichter des DHB-Final-Fours als klarer Favorit ins Rennen geht und damit nach dem nationalen Double greift.

„Bietigheim stellt einen Kader, der nicht nur eine immense Qualität hat, sondern auch in der Breite unglaublich stark ist“, beschreibt Aleksandar Knezevic respektvoll das Team der Gäste. Sein Gegenüber auf der SG-Bank hat nahezu unendliche personelle Möglichkeiten, die jeden Wechsel oder jede Systemänderung ohne Verlust der Qualität zulässt. Und dies spiegelt sich auch in der Tabelle wider. 30:0 Punkte, 512:331 Tore, die Bietigheimerinnen dominieren die Liga.

Lediglich in einem Spiel wurde der große Favorit wirklich gefordert. Gegen den amtierenden Vizemeister aus Metzingen musste sich die SG bis zur letzten Sekunde strecken und landete einen knappen, aber durchaus verdienten 25:24-Erfolg. Schon in der vergangenen Saison hatte man sich gegen die direkten Kontrahenten kaum eine Blöße gegeben. Als Tabellenvierter war man am Ende punktgleich mit Leipzig und Metzingen und lediglich zwei Zähler hinter dem Meister aus Thüringen gelandet, wobei die direkten Vergleiche klar von Bietigheim dominiert wurden. 9:3 Punkte holte die SG bei den Duellen dieses Spitzenquartetts, scheiterte aber am Ende an einigen Ausrutschern gegen die vermeintlich schwächeren Gegner.

Eine letzte Schwäche, die der Goliath der Liga in dieser Saison eindrucksvoll ablegte. Mit einer gnadenlosen Konsequenz marschiert Bietigheim durch Liga und Pokal und lässt den jeweiligen Gegnern bisher nicht den Hauch einer Chance. Sucht man das berühmte Haar in der Suppe, dann bleibt nur der Blick auf das internationale Geschäft. Im EHF-Pokal musste man in einer mit starken Gegnern besetzten Gruppenphase drei Niederlagen verkraften, behielt aber im letzten Spiel die Nerven und zog dank eines Heimsiegs gegen die Ungarinnen aus Erd als Tabellenzweiter ins Viertelfinale des Wettbewerbs ein.

Natürlich hat eine solche Qualität im Kader, zudem in dieser Breite, seinen Preis, doch aus wirtschaftlicher Sicht scheint die SG BBM geradezu auf Rosen gebettet. Dafür sorgt vor allem Eberhard Bezner, Senior-Chef der Firma Olymp, als größter Sponsor und Fan der Handballerinnen. Und eben wie das hergestellte Hemd des Gönners soll auch die Weste der Bietigheimerinnen lange blütenweiß bleiben, am besten in allen Wettbewerben, aber vor allem in Sachen Meisterschaft.

„Wir werden alles in die Waagschale werfen“, verspricht Aleksandar Knezevic für das heutige Derby und natürlich träumt der Trainer gegen den Krösus der Liga von einer Überraschung. Im Hinspiel, das am Ende deutlich mit 26:37 verloren ging, konnten die Grün-Weißen den Favoriten zumindest 20 Minuten ärgern. Diesen Zeitraum will man mit den eigenen Zuschauern im Rücken ausbauen, länger mithalten und der spielerischen Klasse der SG mit Kampf und Wille entgegentreten. „Wir haben nichts zu verlieren und wollen unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen“, gibt Knezevic die Losung für das ungleiche Lokalduell aus.

 

Info

Natürlich geht der Fasching auch am Derby nicht spurlos vorbei. Daher erhalten alle Zuschauer, die verkleidet oder in grün-weißer Fankluft in die EWS Arena bekommen einen kleinen „Aufheizer“.

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