Grün-weiße Party steigt schon vor Silvester

von Redaktion

Andreas Böhringer - NWZ - 02.01.2018

David gegen Goliath, Favorit gegen Underdog – die Rollen im Duell der Frauenhandball-Bundesliga zwischen Titelkandidat TuS Metzingen und FRISCH AUF Göppingen waren klar verteilt. Die Mannschaft von Aleksandar Knezevic ging nach den Erfolgen gegen Dortmund und Leverkusen ohne Druck in dieses Derby, doch klar war auch: Es muss etwas Außergewöhnliches passieren und ein Rädchen ins andere greifen, um gegen den Tabellenzweiten punkten zu können. Und genauso kam es, wie die 60 Minuten zeigten. Die Grün-Weißen erwischten einen jener magischen Tage, an denen alles gelingt und jede Spielerin am obersten Level agiert.

Zunächst wurde Metzingen seiner Favoritenrolle gerecht, bestimmte mit Tempo-Handball das Geschehen und lag im ersten Durchgang permanent vorne. Bei Göppingen klappte der Doppelwechsel zwischen Angriff und Abwehr (Schindler und Sviridenko für Struijs und Adamkova) nicht, was zu einfachen Treffern für die Gastgeberinnen führte. Viele dieser Einschläge gingen dabei auf das Konto der Außen Marlene Zapf und Katharina Beddies, beim Stand von 6:2 sah sich Knezevic zu einer Auszeit genötigt (10.). „Wir haben nach einer schwachen Anfangsphase zurück ins Spiel gefunden“, kommentierte die herausragende Defensivspezialistin Johanna Schindler die folgende Phase, in der Göppingen geduldig sein Spiel aufzog, oft erfolgreich mit zwei Kreisläuferinnen agierte und sich in die Begegnung hineinbiss.

Mit zunehmender Spieldauer funktionierte auch das Umschaltspiel und FRISCH AUF ließ keine einfachen Tore mehr zu, was für Schindler die Grundlage für die große Sensation war: „Wir haben ihre erste und zweite Welle gestoppt und ließen sie nicht ins Rollen kommen. Im Positionsangriff waren wir ebenbürtig.“ Anja Brugger gelang vom Kreis der Ausgleich (33.), Prudence Kinlend traf beim 16:15 zur ersten Führung (35.), die in der Folgezeit mehrmals wechselte, bis wiederum Brugger beim 24:22 erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung herauswarf (49.). Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass das verspätete Weihnachtsmärchen möglich war und FRISCH AUF spielte sich vollends in einen Rausch, dem Metzingen nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Gegen die offensiv agierende und aggressiv zupackende FRISCH AUF-Verteidigung fanden die Gastgeberinnen keine Mittel und „wussten nicht mehr, was sie spielen sollen“, lobt Schindler die starke Abwehrarbeit. Im Angriff behielt Göppingen die Nerven und zog Tor um Tor davon. Die Torfrauen Kristy Zimmermann und Edit Lengyel wehrten unter anderem drei Strafwürfe ab und beim 28:22 (53.) durch die beste Torschützin Michaela Hrbkova war die Partie im Prinzip entschieden, zu dominant traten die FRISCH AUF-Ladies in der Schlussviertelstunde auf.

Die restlichen Minuten gerieten zum Schaulaufen für die Gäste, die nach dem Schlusspfiff von ihren Anhängern für eine fantastische Leistung frenetisch gefeiert wurden. Mit 5740 Besuchern verfehlte das Spiel den angepeilten Zuschauer-Rekord, die Stimmung war dennoch exzellent. „Es war ein tolles Publikum, es hat wahnsinnig Spaß gemacht“, erklärte Johanna Schindler, bevor sie sich einen Tag vor dem Jahreswechsel in die Feierlichkeiten verabschiedete: „Jetzt wird gefeiert und getrunken, aber in Maßen. Morgen muss schließlich auch noch was rein gehen.“

TuS Metzingen: Jankovic, Roch – Zapf (9/1), Amega (1), Kobylinska (4), Loerper (2/1), Minevskaja (3/3), Weigel (1), Obradovic, Beddies (4), Behnke (4).
FRISCH AUF Göppingen: Zimmermann, Lengyel (drei Siebenmeter) – Brugger (3), Struijs (5), Weigelt, Schindler (1), Kinlend (6), Hrbkova (9/1), Guberinic (1), Sviridenko (3/2), Schuhknecht, Adamkova (2), Krhilkar (2).
SR: Jan Lier / Manuel Lier (Schmiden). Zeitstrafen: 2:6 Minuten.
Zuschauer: 5740.

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