Pokal als Steigbügel

von Holger Riegel

Ausnahmsweise hatte es die Losfee einmal gut mit den Göppingerinnen gemeint. Wurde man in der Vergangenheit zumeist zu langen Reisen verdonnert, hat der Auftritt bei der TG Nürtingen fast schon Heimspielcharakter. Über die bisherigen Spielstationen in Erfurt, Bietigheim, Nellingen und nun Nürtingen nähern sich die Grün-Weißen geographisch immer mehr der Heimat, ehe es am Sonntag in acht Tagen um 16:00 Uhr gegen die HSG Bensheim/Auerbach endlich zum langersehnten ersten Auftritt in der EWS Arena kommt. Doch davor gilt es für das Team von Aleksandar Knezevic für das erste Erfolgserlebnis der noch jungen Spielzeit zu sorgen. Keine Frage, der Auftritt in der 2. Runde des Pokalwettbewerbs soll für die FRISCH AUF Frauen zum Steigbügel für den weiteren Saisonverlauf werden.

Dass das Derby aber keineswegs ein Selbstläufer wird, ist dem Trainer und seiner Truppe bewusst. Nach zwei guten Auftritten bei den Meisterschaftsfavoriten aus Erfurt und Bietigheim, sorgte der Ligaauftritt beim TV Nellingen vor zwei Wochen durchaus für Ernüchterung. Besonders mit den ersten 30 Minuten beim Lokalduell auf den Fildern war Aleksandar Knezevic überhaupt nicht zufrieden. „Das war unsere schlechteste Halbzeit seit Jahren, so eine Leistung darf sich nicht wiederholen“, blickt der Coach zurück. Dass der zweite Spielabschnitt deutlich besser verlief, tröstete ihn zwar, aber in der Summe reichte es nicht für die ersten Ligapunkte.

Mit der TG Nürtingen trifft man nun auf einen sehr ambitionierten Zweitligist, der zudem als Außenseiter ohne Druck in die Begegnung geht. Nach dem Aufstieg in die 2.Liga vor zwei Jahren gelang den Gastgeberinnen zunächst souverän der Klassenerhalt und in der vergangenen Spielzeit avancierte die TG ohne Zweifel zu dem Überraschungsteam im Unterhaus. Lange mischte man um den Aufstieg in die höchste Spielklasse mit und schloss die Saison mit einem starken 4. Platz ab. Und nach vier Spieltagen in der aktuellen Runde hat das Team von Trainer Stefan Eidt mit 5:3 Punkten schon wieder Tuchfühlung zu den oberen Tabellenregionen. Dreh-und Angelpunkt ist dabei seit Jahren die inzwischen 38-jährige ehemalige Göppingerin Verena Breidert. Vor allem als Torjägerin ist die Linkshänderin eine Bank und bringt zudem viel Erfahrung mit. Unterstützt wird Verena Breidert dabei auch von Ana Petrinja, die im Sommer von Göppingen nach Nürtingen wechselte.

Dass der Zweitligist ein schwerer Gegner ist, weiß Aleksandar Knezevic nicht erst seit dem 27:27-Remis beim Vorbereitungsspiel im Juli. „Nürtingen hat eine starke Mannschaft, die in der letzten und dieser Saison um die Spitze in der 2. Liga mitspielt“, beurteilt der Trainer den Kontrahenten. Zudem zieht er auch die eigenen Gesetze des Pokalwettbewerbs ins Kalkül. „Du hast nur ein Spiel, es gibt keine zweite Chance“, erklärt Knezevic. Doch trotz dem erneuten Fehlen von Lina Krhlikar und Anja Brugger gibt es für den Coach nur eine Option: „Wir wollen jedes Jahr in das Final Four und für uns ist das Derby der erste Schritt dorthin, also zählt nur ein Sieg“.

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