Rhythmusstörungen zum Auftakt

von Holger Riegel

Die taktische Marschroute der Göppingerinnen beim letztjährigen Vizemeister war schnell zu erkennen. Mit einer offensiven und aggressiven Deckungsvariante wollte man dagegen halten und vorne sollten lange Angriffe den Favoriten nicht ins Spiel kommen lassen. Aber der Plan ging nicht auf, denn bereits nach acht Minuten hatten die Grün-Weißen das Kontingent an gelben Karten aufgebraucht und vier Siebenmeterpfiffe gegen sich, zudem ging in der Offensive der Arm der beiden Schiedsrichterinnen schnell nach oben. Und so fand die Knezevic-Truppe keinen Rhythmus und lief den Gastgeberinnen hinterher. Dies spiegelte sich auch auf der Anzeigetafel wieder,  denn nach 16 Minuten lag Frisch auf bereits mit 11:3 zurück.

Vor allem in der offensiven Abwehr taten sich zu viele Lücken auf und zu oft konnten die THC-Rückraumspielerinnen die Freiräume zu Toren nutzen, wobei besonders Anne Hubinger nicht zu bremsen war. Vorne ließ zudem die Chancenauswertung zu wünschen übrig und Nationaltorhüterin Dinah Eckerle schien den Grün-Weißen den Schneid abzukaufen. Als allerdings Karin Weigelt aus schier unmöglichem Winkel den Ball zum 13:7 (21.) versenkte ging ein spürbarer Ruck durch die Göppinger Reihen. Nun gestaltete man die Partie offen und konnte sogar nachlegen. Bis zum Pausentee hatte man auf 17:14 verkürzt und rückte dem Favoriten gehörig auf die Pelle.

Doch der Schwung blieb in der Kabine, wobei auch der Thüringer HC seinerseits nach seinem Rhythmus suchte. Beide Teams fanden zunächst keinen Weg ins gegnerische Tor, ehe Maxime Struijs zum 17:15 (34.) einnetzte. Kurz darauf folgte eine vermeintliche Schlüsselszene im Spiel. Michaela Hrbkova wurde im Angriff hart angegangen und musste verletzt vom Feld. Aleksandar Knezevic schickte Alexandra Sviridenko auf die rechte Rückraumposition, doch bereits im ersten Gegenangriff des THC kassierte die Göppinger Spielmacherin ihre dritte Zeitstrafe und die rote Karte. Erneut musste der Frisch Auf-Coach umstellen und beorderte Johanna Schindler auf die vakante Stelle im Rückraum. Diese Umstellungen sorgten für weitere und vorentscheidende Rhythmusstörungen bei Grün-Weiß.

Die Hausherrinnen nutzen die kommenden fünf Zeigerumdrehungen um das Spiel in trockene Tücher zu bringen. Binnen drei Minuten war der Rückstand beim 22:16 auf sechs Treffer gewachsen, eine zu hohe Bürde für die tapfer kämpfenden, aber dezimierten Göppingerinnen. Zumindest konnte Michaela Hrbkova nach ein paar Minuten Behandlung auf die Spielfläche zurückkehren. Die Schlussphase gestaltete sich dann wieder ausgeglichen, wobei Frisch Auf am Ende mit zwei vergebenen Strafwürfen eine weitere Ergebniskosmetik verpassten. So feierte der THC einen verdienten 30:24-Sieg.

Thüringer HC: Krause, Eckerle; Scheffknecht (1),Lang, Mazzucco (1), Aguilar Diaz (1), Luzumova (7/3)), Mitrovic, Hubinger (13/3), Jakubisova (4), Wohlbold (3), Redder, Huber

Frisch Auf: Zimmermann, Lengyel; Struijs (3/1), Weigelt (2), Schindler, Kinlend (4), Hrbkova (7/3), Guberinic (2), Sviridenko (1), Schuhknecht, Adamkova (5), Bergschneider

Zeitstrafen: 12 Min. : 8 Min.

Strafwürfe: 9/6 : 6/4

Schiedsrichter: Susann Kruska / Sarah Lange

Zuschauer: 920

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