Traum vom Coup

von Frank Höhmann

Achtmal in Folge nicht verloren, in eigener Halle noch gar nicht: Können die Frisch-Auf-Frauen ihre Serien gegen den Tabellenführer behaupten? „Wir spielen vor unseren Fans, in unserer Halle. Wenn wir taktisch, mit dem gleichen Willen und der gleichen Disziplin zu Werke gehen wie in den letzten acht Spielen, ist alles möglich“, sagt Maxime Strujis vor dem Heimspiel der Göppinger Bundesligahandballerinnen am Samstag um 19 Uhr gegen den Thüringer HC. Die Spielmacherin der Frisch-Auf-Frauen, die beim 31:28 in Bad Wildungen acht Treffer beisteuerte, baut auf das Selbstbewusstsein sowie die Unterstützung des Göppinger Publikums: „Wir müssen auf unsere Chancen warten und im richtigen Moment zuschlagen. Wir haben einen genauen Matchplan, den werden wir umzusetzen versuchen.“ Und die Fans sollen das Team nach vorne treiben.

Zwar liegen zwischen beiden Vereinen acht Punkte und vier Plätze Differenz. Angesichts von 14:2-Punkten in Serie ist das Spiel zwischen den Frisch-Auf-Frauen und dem THC das Topduell des ersten Rückrundenspieltages. Trainer Aleksandar Knezevic hofft, dass die Zuschauer die herausragenden Leistungen der vergangenen Wochen und Monate würdigen werden. „Mit einer vollen Halle im Rücken spielt es sich natürlich leichter, besonders gegen einen Gegner solchen Kalibers, der auf jeder Position sehr gefährlich ist. Der THC ist seit Jahren eine der Topmannschaften in Deutschland und hat sich auch auf internationaler Ebene weiterentwickelt“, ergänzt der Coach der Frisch-Auf-Frauen, der Respekt, aber keine Angst vor dem Primus hat. Warum auch? „Wir versuchen, den Schwung aus den vergangenen Spielen mit in die Begegnung zu nehmen und wollen unsere Serie mit aller Macht verteidigen. Dazu brauchen wir Kraft, Kondition und Konzentration.“

Hoffnung auf eine Überraschung habe man immer, ergänzt Knezevic. Bei den Grün-Weißen wird man sich das Spiel von vor knapp zwei Jahren in Erinnerung rufen, als man den großen Favoriten 27:26 bezwingen konnte. Dass es nicht unmöglich ist, den Tabellenführer zu schlagen, zeigt das 30:27 der Bad Wildunger Vipers, die dem Team von Trainer Herbert Müller die bislang einzige Niederlage zufügen konnten. Alle anderen Partien entschied der Spitzenreiter für sich, auch das Topduell gegen den amtierenden Meister Bietigheim und zuletzt das Auswärtsspiel in Nellingen (30:19).

Ein Wiedersehen gibt es am Samstag mit Beate Scheffknecht, die 2015 nach Erfurt wechselte. Die gebürtige Leonbergerin Dinah Eckerle zieht es wieder zurück in den Süden. Die Torhüterin schließt sich zur neuen Spielzeit der SG BBM Bietigheim an. Ersatz haben die THC-Verantwortlichen in Kristy Zimmerman von den Frisch-Auf-Frauen gefunden, die den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung vollziehen und in der Champions League spielen möchte. Dort ist der Abonnementmeister (2011 bis 2016) auch in der laufenden Saison vertreten. Allerdings gerät das Viertelfinale nach dem 29:31 gegen Metz langsam außer Reichweite. Dreh- und Angelpunkt im THC-Spiel ist die Tschechin Iveta Luzumova, die auch die Torjägerliste der Bundesliga anführt. Mit dem Trio Anne Hubinger, Alexandra Mazzucco und Saskia Lang vom insolventen HC Leipzig wurde der Kader vor der Saison weiter aufgerüstet. Mazzucco fehlte in den vergangenen Wochen aber wegen eines Oberschenkelbruches. Bei optimalem Heilungsverlauf könnte sie am Samstag wieder im Kader stehen. 

Der Coup gegen den THC wäre der Clou. Doch damit es dazu kommt, muss alles passen. „Wir müssen Emotionen, Herzblut, Kampfgeist zeigen“, betont Maxime Struijs und nennt das Auftreten allgemein und den Zusammenhalt der ganzen Mannschaft als Gründe für den Höhenflug. „Wir können nur stark spielen, wenn Abwehr und Torhüterinnen gut funktionieren und müssen vorne im Angriff geduldig auf unsere Chancen warten und dann mit allem was wir haben zuschlagen. Das ist allen bewusst und das macht uns so stark“, sagt die 23-Jährige, die mit Frisch-Auf-Spieler Joscha Ritterbach liiert ist. Tipps geben sie sich gegenseitig nicht. „Ich habe ja keine Ahnung vom Spiel auf Außen, und er nicht von der Mitteposition“, scherzt Struijs. „Aber wir unterstützen uns natürlich, vor allem im mentalen Bereich und nach schwächeren Spielen.“

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