Verkorkste erste Hälfte wiegt zu schwer

von Frank Höhmann

Aus dem anvisierten ersten Sieg ist nichts geworden: Die Göppinger Bundesliga-Handballerinnen mussten sich im württembergischen Derby beim TV Nellingen vor 600 Zuschauern 26:28 (11:17) geschlagen geben.
Beide Mannschaften wollten das Spiel unbedingt gewinnen und die ersten zwei Zähler im Kampf um den Klassenerhalt verbuchen. Dementsprechend groß waren der Jubel auf der einen und die Niedergeschlagenheit auf der anderen Seite. Göppingens Michaela Hrbkova saß nach der Niederlage mit Tränen in den Augen auf der Tribüne. „Es kommen auch wieder bessere Tage“, versuchte ein Fan die frustrierte Toptorschützin der vergangenen Runde aufzurichten.

Den Ausschlag für die dritte Niederlage in dieser Saison gab eine völlig verkorkste erste Hälfte, in der dem Team von Trainer Aleksandar Knezevic nach einer ausgeglichenen Anfangsphase mit einem 4:4-Zwischenstand im Angriffsspiel immer mehr Fehler unterliefen, die den Gastgeberinnen leichte Tore ermöglichten. Nellingen riss die Partie an sich, gewann an Sicherheit und Selbstvertrauen, das den Frisch Auf Frauen von Minute zu Minute mehr abhandenkam. So lagen die vom früheren Göppinger „Derbygott“ Pascal Morgant trainierten Hornets alsbald mit zwei Toren in Führung.

Immer wieder konnten sich die Nellingerinnen gegen die offensive 3:2:1-Abwehr der Göppingerinnen durchsetzen, während es bei Frisch Auf in den ersten 30 Minuten meist nur Prudence Kinlend vorbehalten war, Druck auf die Abwehr der Gäste auszuüben. Ansonsten kam aus dem Rückraum zu wenig, und die Außenspielerinnen Iris Guberinic und Karin Weigelt verhungerten. Immerhin konnten die Frisch-Auf-Frauen fünf Siebenmeter herausholen, die Maxime Struijs sicher verwandelte.

Trotzdem wuchs der Göppinger Rückstand zur Pause über 8:12 auf 11:17 an, weil die Frisch-Auf-Frauen die überragenden Louisa Wolf und Annika Blanke nicht in den Griff bekamen. „Wir hatten uns die ganze Woche über intensiv auf diese offensive Deckung vorbereitet“, sagte Morgant, der stolz auf die Leistung seiner Mannschaft war, die in der Bundesliga nach 30 Minuten noch nie so hoch geführt hatte. „Wir wussten, dass Frisch Auf nach der Pause reagieren und das Tempo anziehen wird. Wir haben versucht, uns dagegen wehren, das ist uns lange nicht gelungen, am Ende konnten wir dann aber noch einmal zulegen.“

Viele Worte brauchte Knezevic in der Kabine nicht zu verlieren. „Die Motivation ergab sich bei diesem Spielstand von alleine. Alle wollten es besser machen.“ Der Frisch-Auf-Trainer stellte nun Edith Lengyel ins Gehäuse, die mit mehreren Paraden zur grün-weißen Aufholjagd beitrug. So wurde aus dem 12:18-Rückstand binnen weniger Minuten ein 15:18 und die Göppingerinnen waren wieder im Spiel. Die Deckung der Gäste stand nun wesentlich besser und so war der Vorsprung der Nellingerinnen, denen in den ersten 15 Minuten nach dem Seitenwechsel lediglich zwei Treffer gelangen, nahezu aufgebraucht, als Petra Adamkova für Frisch auf zum 18:19 traf. Die mitgereisten Göppinger Fans witterten Morgenluft und machten ordentlich Rabatz. Zum Ausgleich sollte es Frisch Auf trotz Überzahl nicht reichen. Stattdessen verschaffte Roxana Ioneac ihrem Team mit dem Treffer zum 22:20 etwas Luft. Iris Guberinic verkürzte zwar noch einmal, dann jedoch bündelten die Hornets alle Kräfte und zogen bis zur 54. Minute auf 24:21 weg.

Als Struijs, die zuvor alle sieben Siebenmeter sicher verwandelt hatte, mit ihrem achten Versuch von der Linie aus erstmals an Anne Bocka scheiterte und die Gastgeberinnen zwei Treffer zum 26:21 nachlegten (56.), war die Partie entschieden. „Nellingen hat verdient gewonnen. Wir waren in der ersten Hälfte unkonzentriert, haben nach der Pause zwar schnell aufgeholt und es bot sich die Möglichkeit zurückzuschlagen, aber in den wichtigen Momenten ist uns das nicht gelungen“, sagte Aleksandar Knezevic.

So spielten sie:

TV Nellingen: Bocka, Wachter; Ioneac (3), Wolf (9/6), Blanke (5), Ahlin (1), Gera (3), Stuttfeld, Stockhammer (1), Issifou (4), Schoeneberg (2), Jäger 
FA Göppingen: Zimmerman, Lengyel; Struijs (9/7), Hrbkova (5), Adamkova (4), Sviridenko, Schuhknecht, Guberinic (3), Kinlend (4), Weigelt, Schindler (1), Bergschneider  
Schiedsrichter: Köppl/Regner
Zeitstrafen: 8:6-Minuten
Zuschauer: 500.

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