Auf Kellerkind folgt Topteam

14.10.2020
Autor:
Frank Höhmann

Auf Kellerkind folgt Topteam

FRISCH AUF Frauen empfangen am Mittwoch Titelkandidat Dortmund

 

Kontrastprogramm für die FRISCH AUF Frauen: Drei Tage nach dem mit 25:21 erfolgreich bestrittenen Auswärtsspiel beim Schlusslicht FSV Mainz 05 geht es für die Göppinger Bundesliga-Handballerinnen am Mittwoch um19.30 Uhr in der EWS Arena gegen Titelmitfavorit Borussia Dortmund. Die Handballerinnen des BVB lagen zum Abbruch der Vorsaison an der Tabellenspitze. Anders jedoch als bei den Herren dem THW Kiel wurde den Dortmunderinnen der Titel nicht zugestanden, was heftige Diskussionen in ganz Handball-Deutschlandnach sich zog.

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch ging der BVB in die Saison und strebt nun mit aller Macht der ersten Meisterschaft entgegen. Das bekamen die Gegnerdeutlich zu spüren. Dreimal siegte das Team aus dem Pott zweistellig. Oldenburg und Buxtehude wurden gar mit 18 und 17 Toren Differenz auf die Heimreisegeschickt. Lediglich die TuS Metzingen konnte das Ergebnis beim jüngsten 20:25im Rahmen halten. Der Kader des Pokalsiegers aus dem Jahre 1997 und Vize-Meisters von 1999 ist gespickt mit technisch versierten und internationalerfahrenen Spielerinnen, allen voran Holländerinnen. In Tessa van Zijl aus Blomberg und der jungen Delaila Amega (Metzingen), die sich beim 29:41 im Champions-League-Spielgegen Brest einen Kreuzbandriss zuzog und mehrere Monate ausfällt, erhöhte sich die Zahl auf acht.

Sechs von ihnen stehen im Kader der Nationalmannschaft, die im vergangenen Jahr erstmals Weltmeister wurde: Regisseurin Kelly Dulfer, Inger Smits, Merel Freriks, die verletzte Amega sowie die beiden Torhüterinnen Rinka Duijndam und Yara ten Holte. Herausragend ist außer ihnen die deutsche Nationalspielerin Alina Grijseels, die das Spiel in Göppingen vor zwei Jahren nahezu im Alleingang entschied. Am Sonntag sah das Team gegen ZSKA Moskau beim 24:17bereits wie der sichere Sieger aus, unterlag den Russinnen aber doch noch denkbarknapp mit 28:29. Eine Woche zuvor konnte der BVB beim 26:25 im kroatischen Koprivnica den ersten Sieg in dem internationalen Wettbewerb feiern. 

 

Für das Team von Göppingens Trainer und Geschäftsführer Aleksandar Knezevic ist das heutige Heimspiel somit eigentlich eines der einfachsten in der Saison überhaupt: Der Druck liegt alleine beim Gegner. Der Pflicht mit dem Sieg in Mainz könnte mit etwas Zählbarem gegen eines der Großkaliber der Liga die Kür folgen. Allzu großen Illusionen gibt man sich im Göppinger Lager freilich nicht hin und erhofft sich gegen den Titelkandidatenvielmehr ein respektables Ergebnis und möglichst lange Gegenwehr. Zumal der gesundheitliche Zustand der Göppingerinnen immer noch nicht wieder der beste ist. „Das Spiel in Mainz stand auf der Kippe, weil wir nicht wussten, wer überhaupt fit wird“, blickt Knezevic zurück und zollt seiner Mannschaft ein Lob, dass sie sich trotz der Probleme vehement gegen die Niederlage gestemmt und die Partie noch gedreht habe.

Gestern und am Montag wurde viel Wert auf den Bereich Regeneration gelegt, um den Giganten auf dem Weg zu seinem fünften Erfolg ärgern zu können. Oder sogar vielleicht mehr als das? Gleich am ersten Spieltag ist dem VfL Oldenburg mit dem Sieg gegen Metzingen ein Ausrufezeichen gelungen. Vergangenen Samstagsiegte Bad Wildungen bei der bis dahin noch ungeschlagenen HSG Bensheim. „In solchen Spielen wie gegen den BVB hofft man immer auf eine Überraschung, dass an diesem Tag vielleicht doch etwas drin ist“, wirft Knezevic die Flinte nicht vorzeitig ins Korn. Das sieht auch Göppingens Goalgetterin Michaela Hrbkova so: „In diesem Spiel haben wir nichts zu verlieren. Mit wenigen schwachen Phasen können wir vielleicht etwas ausrichten. Uns bleiben zwar nur zwei Tage zur Vorbereitung und Erholung, aber ich hoffe trotzdem, dass wir vor unseren heimischen Fans eine gute Leistung abliefern“, sagt Hrbkova, mit 9/6-Treffernbeste Werferin in Mainz. Insgesamt war die Linkshänderin in dieser Spielzeit25-mal erfolgreich.

Und so stirbt auch bei den FRISCH AUF Frauen die Hoffnung nicht, bevor die 60Minuten in der EWS-Arena absolviert sind. Jeder zusätzliche Punkt würde auf dem Weg zum Klassenerhalt helfen. Dass dieser beschwerlich wird, zeigten die Ergebnisse vom Wochenende.

Die Partie gegen Dortmund am 14. März war übrigens die erste, die in der vergangenen Spielzeit aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Auch das Pokalhalbfinalspiel zwischen beiden Teams konnte nicht mehr stattfinden. 


Frank Höhmann

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