Aufpassen wie ein Luchs

21.11.2020
Autor:
Frank Höhmann

Aufpassen wie ein Luchs
Die FRISCH AUF Frauen wollen heute mit einem Sieg bei den „Luchsen“ von HL Rosengarten-Buchholz am Mittelfeld der Liga dranbleiben


Obwohl in der Tabelle auch nur zwei Punkte vergeben werden, gibt es Spiele, bei denen gefühlt vier Zähler zu holen sind. Vor einem solchen Spiel stehen die FRISCH AUF Frauen am heutigen Samstag um 19 Uhr bei HL Buchholz 08-Rosengarten in der Nordheidehalle. Der Aufsteiger liegt mit zwei Punkten direkt hinter den Göppingerinnen, die zwei Siege auf dem Konto, aber auch noch zwei Nachholspieleauszutragen haben. Da es am zehnten Spieltag der Handball Bundesliga Frauen gleichmehrere Duelle gibt, in denen sich Teams aus der zweiten Tabellenhälfte direktgegenüberstehen, wäre ein Erfolg für das Team von Trainer und Geschäftsführer Aleksandar Knezevic besonders wichtig, um am Mittelfeld dranzubleiben und zudem schon einen gewissen Abstand zwischen sich und den ersten Abstiegsplatz zu bringen, den der heutige Gegner belegt.

„Natürlich ist das ein sehr wichtiges Spiel für uns. Wir wollen die Punkte auf jeden Fall mitnehmen“, sagt Göppingens rechte Außenspielerin Anja Brugger. „Wir hatten jetzt die erste normale Trainingswoche nach der Quarantäne und konnten uns gut auf die Partie vorbereiten.“ Mit einer starken Abwehr wolle man den Grundstein zum doppelten Punktgewinn legen. „Wir müssen die gute Leistung der ersten Hälfte aus dem Derby in Metzingen über 60 Minuten ausdehnen“, hofft Brugger, dass sich der Aufwärtstrend beim heutigen Duell fortsetzt und dann in zwei Zählern niederschlägt.

„Das gibt einen großen Kampf. Diesen wollen wir annehmen, uns über gelungene Aktionen pushen und die beiden Punkte mit viel Willen mit nach Göppingen nehmen“, sagt Aleksandar Knezevic. „Rosengarten stellt eine sehr ausgeglichene Mannschaft, die ihre Stärke im Kollektiv hat. Es ragt niemand heraus.“ Sein Team müsse auf beide Abwehrformationen der „Luchse“ vorbereitet sein. „Siespielen mal 6:0, aber auch die sehr offensive 3:2:1-Variante, was nicht viele Vereine in der Bundesliga machen.“ Wieder ins Team zurückkehren wird Spielführerin Iris Andjic nach überstandenem grippalen Infekt. Rosengartens Coach Dubravko Prelcec erwartet „eine enge Partie auf Augenhöhe“. Wenn man sein volles Leistungsvermögen abrufe, habe man in der letzten Partie vor der EM-Pause durchaus Chancen, auch wenn das Göppinger Team viel individuelle Klasse und Routine besitze.
Letztendlich werde sich wohl die Mannschaft mit der besseren Tagesform und der größeren Nervenstärke durchsetzen.

Die Partien gegen die Topteams aus Thüringen (27:39) und Metzingen (21:29) haben die Knezevic-Schützlinge abgehakt. Der Fokus wurde bereits vor den beiden Nach-Quarantäne-Begegnungen auf das heutige Auswärtsspiel gelegt. Um nicht gerädert in die Partie gehen zu müssen, haben die Göppingerinnen die lange Anreise gen Norden bereits gestern Nachmittag angetreten. Die „Luchse“, die in den vergangenen drei Jahren jeweils aus finanziellen Gründen auf den Aufstieg ins Oberhaus verzichtet hatten, sind im niedersächsischen Landkreis Harburg beheimatet.

Aufpassen wie ein Luchs sollten die Göppingerinnen heute auf jeden Fall, dass der Gegner sich nicht in einen ähnlichen Rausch spielt wie beim 30:22-Derbysieggegen den VfL Oldenburg im Achtelfinale des DHB-Pokals. Dass Buchholz anders als nach den Aufstiegen in den Jahren 2010 und 2015 das Rüstzeug zum Klassenerhalt hat, zeigte sich in den bisherigen Partien, in denen man schon einigen Teams das Leben äußerst schwer machte wie zum Beispiel beim 26:27 gegen den Europapokalteilnehmer HSG Blomberg-Lippe. Der erste und bislang einzige Sieg der Saison gelang beim 24:20 gegen Bad Wildungen.

Dass viele Spielerinnen der „Luchse“ zuvor für den Buxtehuder SV auf der Platte standen, verwundert nicht. Beide Vereine liegen nicht weit voneinander entfernt und haben vor einigen Jahren eine Kooperation vereinbart. Vor Saisonbeginn wechselten drei Akteurinnen vom BSV zum Nachbarn: die linke Außenspielerin Melissa Juschnat, Rückraumspielerin Natalie Axmann und die rechte Außenspielerin Maj Nielsen. Luschnat zog sich im Auswärtsspiel beim Thüringer HC aber eine Handverletzung zu und fehlt ihrer Mannschaft seither. Vierter Neuzugang ist die Schwedin Louise Cronstedt von OV Helsingborg, die im Pokalspiel gegen Oldenburg neun Tore warf. In Jessica Oldenburg wurde jüngst eine erfahrene Bundesligaspielerin nachverpflichtet, die nach ihrer Schwangerschaft eigentlich mit dem Handball aufhören wollte, sich dann aber entschied, den „Luchsen“ auf dem Weg zum Klassenerhalt helfen zu wollen.

Frank Höhmann

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