Pokalsieger hat keine Lust auf zu viel Nähe

09.11.2020
Autor:
Frank Höhmann

Pokalsieger hat keine Lust auf zu viel Nähe

Mit einer 16:31 (10:20)-Niederlage gegen den Thüringer HC scheiden die FRISCH AUF Frauen im ersten Spiel nach 14-tägiger Quarantäne aus dem DHB-Pokal aus

Abstand halten lautet eine der Faustregeln dieser Tage. Der amtierende Pokalsieger Thüringer HC hat sich beim Achtelfinalspiel in der leeren Göppinger EWS Arena deutlicher an die Distanz gehalten, als es die FRISCH AUF Frauen gerne gesehen hätten. Mit einer 16:31 (10:20)-Niederlage schied das Team von Trainer und Geschäftsführer Aleksandar Knezevic aus dem Wettbewerb aus. „Wir waren zu Beginn in der Defensive weit weg von unserem Level. Es hat an Härte, Abstimmung und Timing gefehlt, auch im Angriff. Es ist schon bitter zu sehen, was zwei Wochen ohne Teamtraining für einen Rückstand erzeugen“, sagte Romy Morf.

Aufgrund der ungleichen Voraussetzungen verlief das Duell gänzlich ungleich, auch wenn THC-Trainer Herbert Müller sein Team gewarnt hatte, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. „Es hätte durchaus sein können, dass Göppingen einfach mal ganz locker drauflos spielt und über sich hinauswächst“. Die fehlenden Einheiten mit den handballspezifischen Abläufen fielen jedoch zu sehr ins Gewicht. Zudem raubte Müllers Mannschaft Frisch Auf mit einer vom Anwurf weg konzentrierten Vorstellung frühzeitig jegliche Hoffnung auf eine Überraschung. „Wir haben zuletzt zweimal schlecht gespielt, sind zu pomadig aufgetreten. Für uns war es wichtig, nach den jüngsten Niederlagen wieder in die Spur zu finden und Selbstvertrauen zu tanken.“

Bei den noch in Grün gekleideten Einheimischen stand Tina Welter nach ihrem Nasenbeinbruch wieder im Kader und durfte in den zweiten 30 Minuten ebenso ran wie die vor einigen Wochen für Jasmina Rebmann-Jankovic nachverpflichtete Oliwia Kaminska, deren Quarantäne erst am Spieltag endete. Bei der verletzten Rebmann-Jankovic verläuft die Reha nach ihrem ersten operativen Eingriff vor mehreren Monaten bislang nach Plan. „Am Freitag hatte ich die letzte Untersuchung. Die zweite OP ist für Anfang Dezember geplant, sofern coronabedingt keine Verschiebung erfolgen sollte“, berichtet die Ehefrau von Männerkeeper Daniel Rebmann.

„Es war wichtig, dass heute alle zum Einsatz kommen und Spielpraxis sammeln“, sagte Aleksandar Knezevic. „Wir sind zwar nicht an das Niveau herangekommen, das wir gerne gehabt hätten. Aber diese Niederlage ist keine Tragödie.“ Nach einem schwachen Start habe man sich in der ersten Hälfte „Schritt für Schritt“ gesteigert. Unkonzentrierte Abschlüsse hätten ein besseres Resultat verhindert. „Auch wenn die Wurfqualität nicht die beste war und die Niederlage ziemlich deutlich ausgefallen ist, habe ich durchaus positive Aktionen gesehen.“ Nach drei Treffern in Folge zum 9:13 keimte Hoffnung auf, dass vielleicht doch etwas geht und man den Favoriten ärgern kann. „Aber nach zwei Fehlern hinten und zwei Fehlern vorne ging alles wieder ganz schnell“, analysierte Rebmann-Jankovic. Mit einem 7:1-Zwischenspurt bis zum 20:10-Pausenstand unterstrich der THC deutlich, was er von der sich anbahnenden Nähe hielt.

Nach dem 19:20 in der Liga beim Buxtehuder SV wollten die Müller-Schützlinge in Göppingen wieder zur Torgefährlichkeit vorangegangener Spiele zurückfinden. Besonderes Augenmerk legte der an der Quadrizepssehne operierte und mit Krücken angereiste THC-Coach deshalb auf seinen Rückraum. Besonders die Ex-Göppingerin Beate Scheffknecht und die in der Bundesliga-Torschützenliste führende Marketa Jerabkova waren nicht zu stoppen und zeichneten für elf der ersten zwölf THC-Tore verantwortlich. Nachdem beide je zweimal zum 0:4-Zwischenstand gegen eine unsortierte Göppinger Abwehr getroffen hatten, gelang Anja Brugger in der fünften Minute der erste Torerfolg für die Knezevic-Schützlinge. Die konnten auf den Mittelblock mit Jerabkova und Josefine Huber zunächst keinen Druck ausüben und den THC-Verbund auseinanderreißen. Selbst als Huber eine Zeitstrafe kassierte, bauten die Gäste ihren Vorsprung aus. So lag der amtierende Pokalsieger beim 13:6 (18.) mit sieben Toren in Front. Danach folgte die beste Phase der Göppingerinnen mit einem frechen Siebenmeterheber von Michaela Hrbkova und Treffern von Lina Krhlikar am Kreis und Spielmacherin Pascale Wyder. Zum Ende der ersten Hälfte war der THC jedoch uneinholbar enteilt.

„Wir haben versucht, uns in der Pause noch einmal aufzubauen und im zweiten Spielabschnitt zu stabilisieren. Das ist uns in der Defensive gelungen. Wir konnten die Zahl der Gegentore halbieren, hatten dafür aber ziemliche Probleme im Offensivspiel.“ Dass es am Ende 15 Tore Unterschied wurden, sei kein Grund für schlaflose Nächte, wie Knezevic anmerkt. „Im Pokal macht es keinen so großen Unterschied, ob du nun mit zehn oder 15 Toren verlierst. In der Liga dagegen kommt es auf jeden Treffer an. Wichtig ist, dass sich niemand verletzt hat und wir jetzt in den nächsten Tagen weiter zuzulegen, auch wenn sich nicht alles von einem Tag auf den anderen aufholen lässt.“

Frank Höhmann

So spielten sie:

FA Göppingen: Bocka (1.-30.), Kaminska (ab 31.), Lengyel (n.e.); Brugger (2), Ioneac (3), Hrbkova (4/3), Andjic (1), Morf-Bachmann (2), Tinti, Marcikova, Wyder (3), Krhlikar (1), Welter
Thüringer HC: Davidsen (1.-40.), Blazek (ab 41.); Fernis (2), Scheffknecht (6), Iskit (3), Schlegel, Großmann, Rühl, Kündig (4), Jakubisova (3), Huhnstock (1), Neidhart (2), Jerabkova (8/4), Huber (2)
Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah/Suresh Thiyagarajah
Zeitstrafen: 4:4-Minuten
Zuschauer: 0.

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