Spannender geht es nicht

21.05.2021
Autor:
Frank Höhmann

Hoffen, bangen, zittern – und am Ende jubeln? An diesem Samstag (18 Uhr, sportdeutschland.tv) entscheidet sich für die Bundesliga-Handballerinnen von Frisch Auf, wohin die Reise geht: entweder in die Relegation mit Hin- und Rückspiel gegen den Zweitligazweiten Füchse Berlin oder direkt in die zweite Bundesliga. Die letzte Aufgabe könnte schwieriger kaum sein. Das Team von Trainer Nico Kiener muss zum Derby beim Tabellenzweiten und frischgebackenen Pokalsieger SG BBM Bietigheim antreten. Konkurrent HL Buchholz-Rosengarten tritt zur gleichen Zeit ebenfalls auswärts an und gastiert zum Nordderby bei Kooperationspartner Buxtehuder SV. Brisanz ist vorprogrammiert, der Ausgang völlig offen. Mit einem Sieg beim württembergischen Kontrahenten stünden die Göppingerinnen angesichts des um 22 Treffer besseren Torverhältnisses gegenüber den Handball-Luchsen sicher in der Relegation. Sollten Rosengarten und die FRISCH AUF Frauen am Ende der 60 Minuten die gleiche Tordifferenz aufweisen, entscheidet der direkte Vergleich. Hier haben die „Luchse“ die Nase vorne, die das Hinspiel 30:26 gewannen und aus der EWS-Arena einen Zähler entführten (26:26).

„Spannender geht es nicht“, sagt Göppingens Trainer Nico Kiener, der davon ausgeht, dass Buxtehude nichts herschenken wird und sein Heimspiel genauso gewinnen möchte wie der Tabellenzweite aus dem Enztal. „Kein Sportler will freiwillig verlieren. Buxtehude war zuletzt wieder besser in Fahrt. Trainer Dirk Leun und die BSV-Akteurinnen möchten sich sicher mit einem Heimsieg und einem ausgeglichenen Punktekonto in die Sommerpause verabschieden“, baut Kiener auf einen sportlich fairen Wettbewerb. Gerne wären der Göppinger Coach und seine Schützlinge mit einem Punkt plus in das Saisonfinale gegangen. Das Remis gegen die „Werkselfen“ wurde alsbald auch von den Spielerinnen nach der anfänglichen Enttäuschung als gewonnener Zähler verbucht. „Hätten wir die Partie verloren, wäre unsere Ausgangssituation nun schlechter“, sagt der Coach und ergänzt: „Wir haben in den letzten zwölf Spielen 12:12-Punkte geholt und den Relegationsplatz so lange verteidigt, jetzt wollen wir ihn auch bis zum Schluss behalten.“ Damit das gelingt, müssen die Göppingerinnen in der Sporthalle am Viadukt ans Limit gehen „und im Angriff so wenig einfache Fehler wie nur möglich begehen“, so Kiener, der lange am neuen Pokalchampion dranbleiben möchte, „um dann in der Endphase noch einmal alles rauszuhauen“. Die vergangenen Wochen seien für die Spielerinnen nicht nur körperlich, sondern auch mental äußerst anstrengend gewesen. An diesem Samstag nun wolle man für ein gutes Ende sorgen. „Wir nehmen alles mit, was wir kriegen können. Und wenn wir am Ende mit einem Tor Vorsprung in die Relegation einziehen sollten.“  

Als Vorbild für das Derby im Enztal könnte den Göppingerinnen ausgerechnet der Rivale um den begehrten Platz 13 dienen. Denn die „Luchse“ haben dem Team von Trainer Markus Gaugisch im Pokalfinale in der Stuttgarter Porsche-Arena alles abverlangt und standen 53 Minuten lang mit einer couragierten Vorstellung dicht vor der Sensation. Am Ende hielt aber der Topfavorit im dritten Anlauf den begehrten Pokal in den Händen und konnte Anna Loerper einen schönen Abschied bereiten. Die 246-malige Nationalspielerin und Partnerin von TVB-Stuttgart-Keeper Johannes Bitter wird am Ende der Saison ihre Karriere beenden.

„Das Pokalspiel hat gezeigt, dass auch Bietigheim verwundbar ist und Schwächen hat, auch wenn es nicht viele sind“, sagt Anne Bocka, die dem Tabellenzweiten mit ihren Teamkolleginnen beim Hinspielderby ebenfalls lange Probleme bereitete, eher dieser all seine Routine ausspielte. „Wir glauben an uns und bereiten uns gut vor und werden dann alles in die Waagschale werfen und bis zum Schluss kämpfen, auch wenn Bietigheim eine der schwersten Aufgaben in der Liga ist.“ Der Punkt gegen Leverkusen in der Vorwoche sei „überlebensnotwenig“ gewesen. „Damit haben wir uns die Chance auf den Ligaerhalt offengehalten.“ Vielleicht ebbe die Euphoriewelle der Handball-Luchse nach dem Olymp-Final-Four-Turnier bis zum Samstag ab „und die Beine nach dem mit 30:25 gewonnenen Nachholspiel gegen Mainz werden etwas müde“. Zuallererst richte man den Blick jedoch auf das eigene Spiel, betont Anne Bocka. „Wir werden selber alles versuchen und schauen dann, was herauskommt. Vielleicht geht es positiv aus.“

Dass am letzten Spieltag vermeintliche Übermacht nichts heißen mag, zeigt ein Resultat aus der Männer-Bundesliga von 2008. Mit einem 29:28-Sensationssieg bei Vizemeister SG Flensburg-Handewitt sicherte sich GWD Minden aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber Essen und Lokalrivale Nettelstedt auf den letzten Drücker noch den direkten Klassenerhalt.  

Frank Höhmann

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