Unbeschwert zum Vizemeister

15.01.2020
Autor:
Frank Höhmann
Es geht Schlag auf Schlag in diesen Tagen für Göppingens Handballdamen: Drei Tage nach dem kraftraubenden Final-Four-Einzug im DHB-Pokal mit dem 27:26-Sieg bei der Neckarsulmer Sport-Union steht für die FRISCH AUF Frauen am Mittwoch um 19.30 Uhr schon wieder der Ligaalltag auf dem Programm. Und dieser sieht ein Auswärtsspiel beim Thüringer HC in der Erfurter Riethsporthalle vor. Da der THC am Samstag im EHF-Pokal in Ungarn bei VSC Debrecen im Einsatz ist, wurde die Partie vorverlegt
.Großen Illusionen gibt man sich im Göppinger Lager nicht hin: Unter normalen Umständen ist gegen den derzeitigen Tabellenvierten und Meisterschaftsmitfavoriten nichts zu holen. „Wir wollen versuchen, den THC so lange wie möglich zu ärgern. Wir hatten zwar nur wenig Zeit uns zu regenerieren, aber nach dem Pokalsieg gehen wir gestärkt und mit viel Euphorie in die Partie“, sagt Michaela Hrbkova, in Neckarsulm achtfache Torschützin, und ergänzt: „Der THC ist zwar ein ganz anderes Kaliber, aber wenn wir so kämpfen und zusammenstehen wie zuletzt, können wir für jeden in der Liga sehr unangenehm werden."
Vom Göppinger Gegner wird derweil ein Pflichtsieg erwartet. Einen Ausrutscher darf sich der THC nicht erlauben, will er noch ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden. Zwei Niederlagen stehen bereits zu Buche. Am dritten Spieltag unterlag der Serienmeister der Jahre 2011 bis 2016 und von 2018 in eigener Halle dem Geheimfavoriten Borussia Dortmund 25:26. Drei Wochen nach der ersten Niederlage musste er sich dann beim deutschen Meister Bietigheim 25:28 geschlagen geben. Allerdings tanzt der THC als einziger Club noch auf allen drei Hochzeiten: Zwar schied er in der Champions League vorzeitig aus, hofft jedoch im EHF-Pokal auf den Einzug in das Final-Four-Turnier, das er nach einem 34:26 beim Zweitligisten TSV Nord Harrislee im DHB-Pokal erreicht hat. „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, ist vieles möglich“, blickt Herbert Müller optimistisch auf die kommenden Wochen. Nach dem Heimsieg gegen den türkischen Meister Kastamonu Belediyesi steht seine Mannschaft mit 4:0-Punkten auf Platz eins in Gruppe A der EHF-Cup-Gruppenphase. Belegt der THC am Ende den ersten oder zweiten Rang, zieht er ins Viertelfinale ein. Ein Sieg in Debrecen wäre schon die halbe Miete.
Inwieweit es den Göppingerinnen möglich ist, dem Favoriten die Stirn zu bieten, wird auch davon abhängen, wie sie die lange Fahrt aus den Knochen schütteln und in die Begegnung kommen. „Die Stimmung ist überragend, das wollen wir lange mitnehmen. Mit dem Erreichen des Final Four ging ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Das Spiel hat zwar sehr viel Kraft gekostet, aber wir wollen uns beim THC gut verkaufen“, sagt Göppingens Coach Aleksandar Knezevic. Die Frisch-Auf-Frauen fahren jedenfalls ganz unbeschwert zum Vizemeister der vergangenen Saison, der einen erlesenen Kader vorzuweisen hat. So gehört zum Beispiel die Handballerin des Jahres, Emily Bölk, zu den Aushängeschildern. Tragende Säulen sind auch Spielmacherin Iveta Koresova und Rechtsaußenspielerin Lydia Jakubisova. Koresova (ehemals Luzumova) verteidigte mit 184/72-Treffern ihren Titel als beste Torschützin der Liga. Jakubisova ist trotz ihrer 38 Jahre immer noch in einer Top-Verfassung. Seit 2011 spielt sie für den THC und läuft auch in der kommenden Spielzeit weiterhin für das Müller-Team auf. Konstant zuverlässig agiert Kreisläuferin Meike Schmelzer. Im Tor hat die frühere Neckarsulmerin Ann-Catrin Giegerich mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Auf sie wird es nun noch mehr ankommen, da sich die andere Torfrau Marie Davidsen vor dem Pokalspiel in Nord Harrislee einen Handbruch zugezogen hat. Auf ihren Ausfall hat der Verein aber bereits mit der Reaktivierung von Jana Krause reagiert.

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