Göppinger Leidenszeit geht in die Verlängerung
Im württembergischen Derby gegen die Sport-Union Neckarsulm stoßen die FRISCH AUF Frauen beim 32:41 (18:20) an ihre Grenzen
Nach den vielen Aufs in den vergangenen Monaten müssen die Fans der Göppinger Bundesliga-Handballerinnen derzeit ganz schön einstecken. Ohne die noch verletzte Sina Ehmann und die erkrankte Stephie Elies fehlten dem Team von Trainer Nico Kiener zwei etatmäßige Leistungsträgerinnen im Rückraum und Mittelblock, was gegen die mit Wucht und Dynamik anrennende Sport-Union Neckarsulm nicht zu kompensieren war. Und so setzt sich die Leidenszeit der FRISCH AUF Frauen nach der 32:41 (18:20)-Abfuhr vor 2303 Zuschauern im Süd-Derby in der Göppinger EWS Arena vorerst fort.
Es gab dennoch Lichtblicke bei den Göppingerinnen: Luisa Schulze am Kreis traf acht Mal nach teils tollen Anspielen von Lara Däuble und Haruno Sasaki, die mit 10/5-Treffern ebenfalls zu den Aktivposten der Göppingerinnen gehörte. Gästecoach Thomas Zeitz attestierte gerade auch dem Youngster Lara Däuble eine sehr gute Partie. „Wir haben Lara zwischenzeitlich gut in den Griff bekommen und verhindert, dass sie weiter in die Tiefe stoßen konnte. Insgesamt haben wir unser Spiel endlich mal bis zum Schluss durchgezogen und viele Chancen herausgespielt, die wir auch genutzt haben.“
Ein Fehlwurf von Neckarsulms Vizeweltmeisterin Antje Döll? Gab es keinen. Auch Alicia Soffel kam auf die Bestquote. Dazu gesellte sich noch Munia Smits mit zehn Toren. Das Trio zeichnete für 31 der 41 Sport-Union-Treffer verantwortlich. „Das zeigt dann eben auch die Qualität im Neckarsulmer Kader. Man hat schon gesehen, dass wir ohne Sina und Stephie geschwächt waren. Dennoch halten wir mit, aber es geht dann oftmals zu schnell dahin“, so die Sportliche Leiterin Birute Schaich. Am Samstag war dies kurz nach der Pause der Fall, als die Gäste vom 20:18-Pausenstand bis zur 39. Minute auf 27:22 davonzogen und den FRISCH AUF Frauen mit einem weiteren Zwischenspurt bis zur 42. Minute (30:23) jegliche Hoffnung auf Derbypunkte und den ersten Sieg im fünften Anlauf gegen die Sport-Union seit dem Wiederaufstieg nahmen.
Göppingens Trainer Nico Kiener schmerzte das klare Ergebnis. „Es ist momentan wirklich nicht einfach für uns, wir spielen eine starke erste Hälfte in der Offensive, können aber den Druck und die Power, mit der Neckarsulm auf uns zugekommen ist, nicht stoppen, und haben in der zweiten Hälfte dann zu viele Zweikämpfe verloren. Wir probieren alles, auch mit der siebten Feldspielerin, kommen aber nicht mehr heran.“ Neckarsulm tankte sich immer wieder durch, traf präzise aus der zweiten Reihe und brachte auch seine Außenspielerinnen ein ums andere Mal in günstige Wurfwinkel. „Wir waren über alle Positionen torgefährlich und haben super zusammengespielt als Team. Wir wollten diesen Sieg zu 100 Prozent“, so Gästespielerin Munia Smits. „Daran lag es nicht, den wollten wir genauso“, erwiderte Göppingens Kreisspielerin Luisa Schulze, „haben uns das natürlich aber ganz anders vorgestellt. In der Offensive machen wir es über die ganze Partie recht gut, aber wenn du 41 Gegentore kassierst, wird es natürlich schwer, eine Partie zu gewinnen. Der Zugriff in der Defensive hat in vielen Situationen gefehlt. Wir dürfen den Kopf aber nicht hängen lassen und müssen weiter hart an uns arbeiten, um wieder punkten zu können.“
Auch wenn es das Resultat nicht hergab am vergangenen Wochenende, sind die Ansätze vorhanden bei den FRISCH AUF Frauen. Aber junge Spielerinnen wie Lara Däuble und Aylin Bornhardt benötigen einfach Zeit. Und so bewahrheitet sich eine alte Floskel aus dem Sportbereich bei den Göppinger Handballerinnen immer mehr: „Das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist immer das schwierigere“, so Birute Schaich. Man müsse diese Phase jetzt gemeinsam durchstehen, auch wenn die nächsten drei Partien, beginnend an diesem Mittwoch in Blomberg, alle nicht ohne seien. „Aber das Ergebnis von Buxtehude in Dortmund hat gezeigt, dass immer alles möglich ist in dieser Liga.“
So spielten sie:
FRISCH AUF Frauen: Hlogyik, Meißner; De Bellis (1), Beugels, Bianco, Bornhardt, Däuble (4), Anna Ehmann, Kynast (2), Merz (1), Neubrander (2), Sasaki (10/5), Scherer (2), Schulze (8), Watzl (2)
Sport-Union Neckarsulm: Fossum (1), Ivancok; Hinkelmann (2), Gudmestad (2), Bruggeman, Soffel (9), Kordovska, Holtman, van der Linden, Ossenkopp (4), Smits (10), Albers, Döll (12/7), Uscinowicz (1)
Schiedsrichter: Sophia Janz/Rosana Sug (Köln/Wiehl)
Zeitstrafen: 4:6-Minuten
Zuschauer: 2303.




