Kapitänin geht von Bord und beendet Karriere

26.2.2026
Kategorie
Bundesliga

Für Louisa De Bellis wird am Kreis zur neuen Saison Aylin Bornhardt voll in den Kader der Göppinger Bundesliga-Handballerinnen eingebaut

Sie hat die Neuausrichtung von Anfang an mit begleitet und trägt seit zwei Jahren die Kapitänsbinde der Göppinger Bundesliga-Handballerinnen. Das zeigt, welche Entwicklung Louisa De Bellis nach ihrem Wechsel vom VfL Waiblingen zum Team von Trainer Nico Kiener genommen hat. Umso schwerer ist es ihr nun gefallen, im Sommer nach fünf Jahren bei den FRISCH AUF Frauen von Bord zu gehen und Schluss zu machen mit dem Handballsport. Die 28-Jährige kann die Trainingseinheiten und Spiele und ihren Beruf zur angehenden psychologischen Psychotherapeutin mit vielen Weiterbildungen nicht mehr länger schultern. „Es war ein äußerst emotionales Gespräch“, erzählt die Sportliche Leiterin Birute Schaich. „Louisa ist schon so lange mit dabei, hat den Aufstieg miterlebt und den Verein auf und neben dem Feld hervorragend präsentiert und war eines unserer prägenden Gesichter. Ihr Vertrag wäre ja noch ein Jahr gelaufen, aber wir können ihre Entscheidung nachvollziehen. Als Frau hat man es im Leistungssport eben nicht leicht. Ihr Abgang ist menschlich wie sportlich ein großer Verlust.“

Der Entschluss ist der früheren Junioren-Nationalspielerin wahrlich nicht leicht gefallen, „aber ich bin froh, dass ich alles selber festlegen konnte und nicht durch eine Verletzung dazu gezwungen wurde, weil der Körper nicht mehr mitmacht. Ich bin sehr dankbar für all das, was ich in Göppingen erleben durfte, den Aufstieg und nun als Kapitänin das Team aufs Feld zu führen, gemeinsam Siege zu feiern, aber auch Niederlagen zu verarbeiten.“ Seit Beginn ihrer Handballzeit war es der 28-Jährigen immer wichtig, ein Standbein für die Zeit nach dem Handball aufzubauen. „Ich mache meinen Beruf sehr gerne und habe in der ambulanten Therapie eine große Verantwortung gegenüber den Patienten, der ich auch gerecht werden möchte. Alles nimmt sehr viel Zeit und Energie in Anspruch und künftig kann ich mich verstärkt auf diese Aufgabe konzentrieren und meine Termine an den Wochenenden selber festlegen. Ich befinde mich momentan im letzten Teil meiner Ausbildung. Es ist eine harte Zeit, aber ich war und bin bis zum Schluss mit viel Herzblut im Handball dabei. Wir wollen die Saison erfolgreich abschließen. Der Handball hat mein Leben zu einem sehr großen Teil bestimmt, und es waren tolle Erfahrungen, die ich machen durfte. Ich hatte sehr schöne Begegnungen, aber jetzt blicke ich mit Vorfreude all dem entgegen, was kommt.“  

Die entstehende Lücke am Kreis wird zur neuen Spielzeit Aylin Bornhardt schließen, deren Zweifachspielrecht für die SG Schozach-Bottwartal wegfällt. Sie wurde von den Verantwortlichen der FRISCH AUF Frauen mit einem Zweijahres-Vertrag plus Option auf eine weitere Spielzeit ausgestattet. Zusammen mit Lara Däuble gehört die 19-Jährige zum Elitekader des Deutschen Handball Bundes. Es könnte also eine vielversprechende neue Achse geben bei den FRISCH AUF Frauen, denn Bornhardt und Däuble verstehen sich blind und holten mit der U19 im vergangenen Jahr den EM-Titel. Beim 33:39 in Thüringen war die junge Kreisläuferin mit 6/5-Treffern beste Göppinger Werferin und bewies auch Vielfältigkeit von der Siebenmeterlinie aus. Im Mittelblock stellt sie für das Kiener-Team eine neue Option dar. „Ich bin sehr glücklich darüber, auch in den kommenden Jahren in Göppingen spielen und mich in diesem starken Umfeld weiterentwickeln zu dürfen.“ Dass sie sich künftig nur noch auf das Frisch-Auf-Team fokussieren und mit diesem alle Trainingseinheiten absolvieren kann, „wird meine Leistung sicher weiter voranbringen und mich noch näher an das Erstliganiveau heranführen.“ In zwei Teams zu spielen, sei nicht nur körperlich, sondern auch mental herausfordernd, „da meine Rollen zwei ganz unterschiedliche sind. Aber ich bin trotzdem sehr zufrieden, wie sich bislang alles gefügt hat. Jetzt möchte ich bei den FRISCH AUF Frauen mehr Verantwortung übernehmen und habe mit Lara jemanden an meiner Seite, mit der ich auch in der Vergangenheit viele Jahre gemeinsam gespielt habe. Daher sind unsere Absprachen und unsere Kommunikation natürlich schon gefestigter, aber ich bin zuversichtlich, dass sich das auch mit dem Rest des Teams zeitnah ergeben wird. Zudem bin ich nach dem Sommer mit der Schule fertig und kann mich ohne diese zusätzliche Belastung auf den Leistungssport fokussieren.“ Dennoch dürfe man nicht zu viel erwarten, sondern müsse geduldig bleiben und alles Schritt für Schritt angehen, um den gesteckten Zielen näher zu kommen.