Kein Comeback mehr von Leonie Patorra

29.4.2026
Kategorie
Bundesliga

Die mit mehreren schweren Knieverletzungen konfrontierte Spielmacherin der FRISCH AUF Frauen wird ihre Laufbahn beenden

Es war bereits zu befürchten, worüber nun Gewissheit herrscht: Die 25-jährige Leonie Patorra von den Göppinger Bundesliga-Handballerinnen wird ihre Karriere in diesem Sommer beenden. Vor vier Jahren war die frühere Junioren-Nationalspielerin vom damaligen Erstligisten HSG Bad Wildungen Vipers nach der Anfrage von Trainer Nico Kiener in den Süden zurückgekehrt. Die Spielmacherin der Frisch-Auf-Frauen wurde in ihrer Laufbahn, die hätte noch einiges bereithalten können, immer wieder von schweren Knieverletzungen zurückgeworfen und ausgebremst. Die letzte, ein erneuter Kreuzbandriss, zugezogen recht früh im vergangenen Jahr, war schlussendlich zu viel.

Ein Schritt der Vernunft. „Es ist keine Entscheidung gegen Göppingen, sondern eine Entscheidung für mich ganz persönlich und für meine Gesundheit, die ich im Alltag und für meine Zukunft benötige. Ich möchte noch einiges erleben und unternehmen“, sagt die gebürtige Esslingerin, die sich nach ihrer Verletzung um den Social-Media-Auftritt der Göppingerinnen kümmerte und ihre Mitspielerinnen an den Spieltagen unterstützte. Zeitgleich schuftete sie in der Reha. Denn Leonie Patorra wollte sich ein weiteres Mal zurückkämpfen, wie sie es schon 2023 tat und auch zuvor schon in den noch jüngeren Jahren ihrer Laufbahn. Doch sie merkte, dass da noch mehr wartet auf sie außer Handball. Den Sport, den sie liebte und immer noch liebt und seit ihrer Kindheit ausgeübt hat. Und der ihr so viele kräftezehrende Rehazeiten aufgebürdet hat, „die mich aber mental sehr stark gemacht haben“, wie Leonie Patorra berichtet. „Sonst hätte ich es nicht geschafft, immer wieder zurückzukehren.“

Mit 17 zog Leonie Patorra von zuhause weg, brachte viele Opfer, wollte weit kommen, was ihr auch gelang. Rückblickend, so betont die Spielgestalterin, habe sie eigentlich alles erreicht, was sie sich vorgenommen hatte zu erreichen. „Ich durfte in Bietigheim als Juniorin Champions League spielen, habe mein Tor erzielt und bin 2024 mit Göppingen in die 1. Liga aufgestiegen und hatte hier eine wunderschöne Zeit zusammen mit den Mädels, im Training, bei den Spielen, aber auch privat. Es sind viele Freundschaften über den Handball hinaus entstanden“, berichtet „Leo“, wie Leonie Patorra mit Spitznamen genannt wird. Ihr Talent wurde von den jetzigen beiden Göppinger Coaches Nico Kiener und Gerhard Rohr erkannt und frühzeitig gefördert. „Mit den beiden hat damals alles begonnen, mit den Sichtungen für die Auswahl. Und mit den beiden schließt sich nun der Kreis.“ Das fühle sich irgendwie gut an.  

Ihr letztes Tor Hat Leonie Patorra im Heimspiel gegen den inzwischen aus der Bundesliga verschwundenen einstigen Serienmeister HB Ludwigsburg Anfang Januar 2025 erzielt. Damals war sie auf dem besten Wege zu alter Stärke mit ihrer guten Spielübersicht und ihren No-Look-Pässen. Doch dann riss wieder das Kreuzband. Ein Deja-Vu. The same procedure. Doch dieses Mal gibt es kein Zurück mehr. Die Sportliche Leiterin Birute Schaich bringt es auf den Punkt: „Nach insgesamt sieben operativen Eingriffen ist Leos Schritt nur nachvollziehbar. Sie musste wirklich viele Rückschläge wegstecken, was ihr auch erfolgreich gelang, aber irgendwann geht es halt nicht mehr. Die Gesundheit genießt oberste Priorität und Handball ist dann eben doch nicht alles. Es war jedenfalls eine sehr schöne Zeit und tolle Zusammenarbeit mit ihr.“  

Auch Trainer Nico Kiener kann Leonie Patorras Entschluss nachvollziehen. „Leo war eine sehr intelligente Spielerin mit großem Talent, war für die deutschen Juniorinnen aktiv und wäre noch weit gekommen, wäre da nicht diese lange Leidenszeit mit den vielen Verletzungen und Operationen. Ich hätte gerne weiter mit ihr zusammengearbeitet, auch in anderer Form, aber wenn sie nun diesen Schnitt machen möchte, kann ich das absolut verstehen.“

Den weiteren Weg der FRISCH AUF Frauen wird Leonie Patorra auf jeden Fall verfolgen, auch wenn sie ihn nicht direkt mit weiter begleitet wie in den vergangenen Jahren. „Es ist hier sehr viel entstanden, auch im Bereich Marketing. Claus Mai, Birute Schaich und Nataliya Zeitz leisten hier gute Arbeit und haben sehr viel auf die Beine gestellt. Man sieht, was der Frauenhandball in der Hohenstaufenstadt bewegen und leisten kann. Ich bin gespannt, wohin der Weg noch führt und bin dankbar für die Unterstützung, die man mir entgegengebracht hat und dafür, dass ich auch hinter die Kulissen des Vereins blicken und mich hier einbringen konnte.“