Nach Derbysieg voll auf Kurs Klassenerhalt
Die Göppinger Bundesliga-Handballerinnen gewinnen mit 33:29 (15:12) erstmals seit 2017 wieder bei der TuS Metzingen
Dritte Auszeit Nico Kiener, Spielstand 30:28 aus Sicht der Göppinger Bundesliga-Handballerinnen, noch eine Minute und sieben Sekunden auf der Uhr im Derby bei der TuS Metzingen. Lea Neubrander voll on fire. Die Frisch-Auf-Spielmacherin wollte diesen Derbysieg unbedingt. „Wenn ihr durchkommt, dann haut den Ball mit 100km/h ins Tor“, schrie die 26-Jährige zum Abschluss der Auszeit. Da mussten selbst ihre Mitspielerinnen kurz lachen, doch genau diese Lockerheit hatte es auf Göppinger Seite gebraucht. Zu oft hatten die FRISCH AUF Frauen bei Führungen verkrampft, den Erfolg in den Schlussminuten noch aus der Hand gegeben. Nicht jedoch am Samstag in der Tübinger Paul-Horn-Arena beim zweiten Spiel der Play-off-Runde. Da ließ sich das Team von Trainer Nico Kiener nicht mehr die Butter vom Brot nehmen und gewann mit 33:29 (15:12) erstmals seit 2017 wieder ein Derby beim württembergischen Nachbarn.
Nach diesem Erfolg liegen die Göppingerinnen in Sachen Klassenerhalt voll auf Kurs. Der Schlüssel zum zweiten Derbysieg nach dem 33:28 in eigener Halle gegen die „Pink Ladies“? Ganz klar die aggressive und sehr gut zustellende Abwehr. Wie schon beim 28:19 gegen Zwickau zum Auftakt der Play-offs. „Es war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben es geschafft, unter 30 Toren zu bleiben. Das ist immer unser Ziel“, sagte Göppingens Rückraumspielerin und Eins-gegen-eins-Waffe Sina Ehmann. „Zudem hatten wir gute Torhüterinnen. Wir haben dieses Mal nicht ganz so offensiv gedeckt wie vor vier Wochen, als Metzingen viele Freiräume hatte. Wir sind gerade in einem Flow und wollen nun auch die restlichen Partien gewinnen. Jetzt sind wir aber erstmal total happy, dass es heute mit dem Sieg geklappt hat.“ Auch Trainer Nico Kiener strahlte übers ganze Gesicht, lobte sein Team für seine couragierte Teamleistung über alle Positionen. „Wir sind über unsere Abwehr zum Erfolg gekommen, haben die kritische Phase in Hälfte zwei überstanden, sind wieder in Führung gegangen und haben am Schluss kühlen Kopf bewahrt und sind weiter mutig zum Tor gegangen“, so der Göppinger Coach. „Das war heute ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt.“ So mancher Anhänger liebäugelt nach dem zweiten Sieg nun schon von Platz fünf und einer möglichen Teilnahme am Europapokal. Kiener will von solchen Träumereien nichts wissen, es gehe einzig und alleine um die weitere Zugehörigkeit zum Oberhaus im zweiten Jahr nach dem Aufstieg.
Dass die FRISCH AUF Frauen den Derbysieg klarmachen konnten, war in der Crunchtime mit ein Verdienst von Lara Däuble, die in der 43. Minute auf die Platte kam und viel Verantwortung übernahm und mit Tempo in die Tiefe ging. So wie es zuvor auf ihrer Position im rechten Rückraum Ann Kynast getan hatte, die mit sieben Treffern beste Werferin des Abends wurde und in Durchgang eins zweimal aus ungünstigem Wurfwinkel clever einnetzte. Coach Kiener variiert mit dem Duo je nach Gegner und Spielsystem. Alle erhalten ihre Einsatzzeiten, haben ihre Vorzüge und Qualitäten, die sie gegen Metzingen unterstrichen. Ein entscheidender Faktor auf Göppinger Seite war zudem Schlussfrau Petra Hlogyik, die ihre Gegenüber Marie Weiss und Sara Suba klar ausstach. Sie hielt in der ersten Hälfte einen Ball nach dem anderen, sodass ihr Team sich nach 18 Minuten auf 9:6 absetzen konnte. Zur Halbzeit hieß es 15:12 aus Göppinger Sicht, der Vorsprung hätte aber noch etwas deutlicher sein können, wäre da nicht der ärgerliche Ballverlust Sekunden vor dem Pausentee gewesen, der es Metzingen ermöglichte zu verkürzen.
In Durchgang zwei sorgte nach ihrer Einwechslung sieben Minuten vor dem Ende Hlogyiks Kollegin Celina Meißner im Duell gegen die frei zum Abschluss kommende Außenspielerin Selina Lindemann für eine der entscheidenden Paraden für ihr Team und hielt die Göppinger 29:28-Führung fest, die Mariel Beugels und Däuble vom Siebenmeterstrich aus auf 31:28 ausbauten. Nach Metzingens letzter Auszeit traf wiederum Beugels, danach herrschte vorzeitige Feierstimmung auf der Bank. Wenig später versammelte sich dann das ganze Team zur Jubeltraube und bedankte sich für die Unterstützung der mitgereisten Fans. Auch die Sportliche Leiterin Birute Schaich freute sich riesig, hob aber anschließend warnend den Zeigefinger: „Es sieht super aus, aber wir sind noch nicht am Ziel.“ So gut wie dann vielleicht nach dem nächsten Derby am Sonntag gegen Neckarsulm.
So spielten sie:
TuS Metzingen: Weiss, Suba; Lindemann (3), Tröster (6), Petzold (6), Klein (6), Franz (1), Schlegel (1), Goldammer (1), Sabatnig, Demmel, Bitolo (4/2), Schlipf, Svenja Hübner (1), Carolin Hübner
FRISCH AUF Frauen: Hlogyik, Meißner; De Bellis, Beugels (4), Bianco, Bornhardt, Däuble (5/3), Ehmann (4), Elies, Kynast (7), Neubrander (4), Sasaki (1), Scherer (2), Schulze (5), Watzl (1)
Schiedsrichter: Mortiz Hartmann/Nils Hennekes (Dortmund/Gütersloh)
Zeitstrafen: 4:2-Minuten
Zuschauer: 1119.




